07.06.2016 – 08.06.2016 Bagenkop, DK

Brechreiz und Harndrang

Dienstag, 07.06.2016

Sonne
Großsegel ohne Reff
Abfahrt Wendtorf, 10:00 Uhr
Ankunft Bagenkop, 16:15 Uhr
Geschwindigkeit zwischen 5 und 6 Knoten
Wind anfangs 3, später 4 Bft, östliche Richtung
Welle 0,5 m
Entfernung ca. 25 sm

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Fahrt verläuft relativ zügig über die offene See. Nach 1 ½ Stunden Fahrt ist kein Land mehr zu sehen. Auf halber Strecke kommt Unwohlsein dazu, sodass ein Kampf gegen Brechreiz und Harndrang beginnt. Einfahrt in den Hafen bei windigen Bedingungen mit eingeholten Segeln und Motor. Beim Anlegen etwas abgetrieben, aber da 3 Boxen Platz, kein Problem.

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Bagenkop selbst ist ein kleiner beschaulicher Fischerort, wo ab 18:00 Uhr alle Läden geschlossen sind und abgesehen von einigen Asylanten kein Mensch mehr auf den Straßen ist.

Mittwoch, 08.06.2016

Bedeckt
Großsegel zweites Reff
Abfahrt Bagenkop, 11:00 Uhr
Ankunft Wendtorf, 18:20 Uhr
Geschwindigkeit zwischen 3 und 4 Knoten
Wind 4 Bft, Böen 5 Bft
Welle 0,5 m und mehr
Entfernung ca. 25 sm

Nach der Ausfahrt aus dem engen Hafen vergeblich versucht noch in der Brandung das Großsegel zu setzen. Die Leine hatte sich im Positionslicht verfangen und ich musste in der Welle umkehren und im Hafen sehen, was los ist. Fand ruhige Position und konnte das Segel hochziehen. Reff-Spannleine hatte sich gelöst und musste wieder fixiert werden, dann Ausfahrt mit Motor und Segel durch die Brandung. Es stellte sich ziemlich schnell Übelkeit ein, die in Verbindung mit Brechreiz und Gallenaussonderung auch 5 Stunden lang anhielt. Krampfte mich die ganze Zeit im Cockpit fest, übergab mich im 20 Minuten-Takt zwischen meine Knie, konnte nicht aufstehen und kaum die Augen offen halten. Mir taten im Nachhinein noch 4 Tage die Rippen vom Brechen weh. Es ist mir ein Rätsel, wie man das überhaupt durchstehen kann. Durch das zweite Reff hatte ich kaum Geschwindigkeit und schaukelte bei  ständiger Welle von Backbord wild hin und her. 16:30 Uhr kam endlich wieder Land in Sicht und gegen 17:30 Uhr schmiss ich den Außenborder zur Unterstützung mit an.  Die See wurde etwas ruhiger und das Boot stabilisierte sich durch die höhere Geschwindigkeit. Mein Befinden wurde sofort besser und auch das Anlegen in Wendtorf klappte diesmal sofort und nahezu perfekt.

 

Meine Gedanken waren eigentlich, das Boot sofort zu verkaufen. Nach einiger Recherche versuche ich es aber nun mit 2-3 g Vitamin-C (Cetebe) als Histamin-Blockern und „Superpep“ Kautabletten gegen Seekrankheit.

Ende offen!!!

09.05.2016 – 12.05.2016

Montag, 09.05.2016

Nachdem ich mein Boot wegen Arbeitswahn 5 Wochen nicht gesehen habe, fahre ich leidlich motiviert so gegen 10:00 Uhr mit dem Wagen nach Wendtorf. Nach gut 1 1/2 Stunden komme ich an. Alles ist noch so wie ich es verlassen habe. Leider hat auch keiner die noch ausstehenden Lackarbeiten an der Luke gemacht. Durch die aufgestellte Sprayhood konnte das Holz wenigstens durchtrocknen und nun klemmt die Luke auch nicht mehr. Ich packe meine schwere Werkzeugtasche aus dem Boot in den Wagen und beschließe das Lackieren auf nächstes Jahr zu verschieben. Wendtorf ist ein trostloser Hafen, der Wind pfeift unablässig aus Ost und ich befinde mich gefühlt in einer ostberliner Plattenbausiedlung vor der Wende.

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Mit lossegeln wird das heute nichts mehr, wohin auch?! Mittlerweile 14:00 Uhr, nutze ich die Gelegenheit, die Gegend auf dem Landweg zu erkunden und Laboe ist nicht weit. Ich mache einen ausgiebigen Stopp beim Marine-Ehrenmal und besichtige U 995.

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Dienstag, 10.05.2016

Hätte gute Lust, wieder nach hause zu fahren. Wenn ich aber schon mal hier bin, dann kann ich zumindest einige Manöver üben, schaut ja keiner zu!
15:00 Uhr abgelegt, mit Motor aus dem Hafen, im Fahrwasser bis zur Ansteuerungstonne Wendtorf, ca. 0,5 sm. Großsegel gesetzt und Rollreff ausgefahren.  eine Stunde bei mäßigen Winden gekreuzt. Richtung Nordost und wieder zurück zur Ansteuerungstonne.
Um 16:00 Uhr zurück in den Hafen, auf dem Weg Segel gerefft und gemotort.
Im Bereich der Hafeneinfahrt 30 Minuten verschiedene Anlegemanöver und Rückwärst fahren mit Motor geübt. Anlegen in der Box 16:30 Uhr.

P.S. Bei Reinfahren sah ich noch Claus mit einigen Personen auf seinem Boot, bis ich mein Boot fertig hatte, war er allerdings schon auf See. Kein Mann des vielen Grübelns: „Ein Hafen ist kein Schrebergarten, also Leinen los!“ (O-Ton!).

 

Mittwoch, 11.05.2016

Sonnig, wenig Wind und ruhige See.

8:45 Uhr Abfahrt Richtung Düsternbrook, alter Olympiahafen.

Unterwegs erreicht mich ein Anruf von Claus, Treffpunkt verlegt nach Holtenau, am Nord-Ostsee-Kanal.

Mit Ostwind zügige Einfahrt in die Lübecker Förde.

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Kreuze das Fahrwasser in nördliche Richtung und werde von einigen großen Pötten überholt.

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Vorbei am Leuchtturm Friedrichsort und weiter zum kleinen Hafen Holtenau, direkt bei der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal.

Ankunft um 11:00 Uhr, zeitgleich mit der „La mer“ von Claus.

Anlegen längsseits, Backbord mit gekonnter, unfreiwilliger Drehung um 180°. Hatte zuerst hinten festgemacht und den Wind unterschätzt, der dann das Boot mit der Nase nach Steuerbord drückte.

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Zurückgelegte Strecke ca. 7 sm.

Gemütlicher Plausch, Kaffee an der Promenade und Bewundern der holländischen Zwei-, und Dreimaster.

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Letzter Törn für heute, mal eben rüber nach Möltenort, Entferneung 1,8 sm. Vorsorglich nach Claus‘ Warnung zweites Reff im Groß eingelegt.

Ablegen 15:00 Uhr, Ankunft nach windigem Kreuzen 1 ¾ Stunden später um 16:45 Uhr. Natürlich als Zweiter.

Boot fertig für die Nacht, Gespräch mit Hafenmeister, Besuch U-Boot Ehrenmal und Abendessen. Riesenschnitzel mit Pommes und Salat für nur 10,- € direkt am Anleger.

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Ganze Nacht sehr windig und unruhiges Geschaukel.

 

Donnerstag, 12.05.2016

Sonnig, Wind 6-7 Bft aus nordöstlicher Richtung.

Abfahrt Möltenort 10:00 Uhr, Entfernung nach Wendtorf ca. 6 sm.

Die „La mer“ verlässt nur einige Augenblicke vor mir den Hafen, mit Rollreff ist nun auch mein Ablegemanöver wesentlich schneller zu bewerkstelligen.

Bis ich das Großsegel gesetzt habe ist sie aber schon fast außer Sichtweite. Wie macht er das?

Das zweite Reff vom Vortag gelassen und mit halber Fock gegen den starken Wind angekreuzt.

3 Stunden kreuzen und das Ehrenmahl von Laboe wandert nur ganz langsam an meiner Steuerbordseite Richtung Südost. Die „Nike“ befindet sich seit 12:00 Uhr wieder im „Rodeo“ Modus. Der Hafen Wendtorf ist zum Greifen nahe aber ich müsste noch einmal einen großen Schlag rausfahren um die Einfahrt zu erreichen. Übelkeit macht sich nun gänzlich breit und ich entscheide mich, um 13:30 Uhr den Außenborder anzuschmeißen. Gut so, nach 30 Minuten bin ich im sicheren Hafen. Sicherer Hafen? Weit gefehlt! Fahrt man in Schleimünde ein ist plötzlich alles friedlich, nicht aber in Wendtorf. „Dänisch Motor’n“, mit gestrafftem Großsegel und Außenborder fahre ich in die Hafeneinfahrt und habe in der Enge und mit dem nach wie vor starken Wind größte Schwierigkeiten das Segel zu bergen und nicht auf eine Sandbank gedrückt zu werden. Ein Kampf, ein Krampf! Selbst das Einlenken in den Liegeplatz gelingt erst beim fünften Versuch. Krönender Abschluß! 14:00 Uhr, Ende.

Wieder die Sonnencreme vergessen, …schwarzbraun ist die Haselnuß.

31.03.2016 Saisonstart

Donnerstag 31.03.2016

Nach dem Winterlager ist das Boot endlich wieder im Wasser. Wir befinden uns mitten im Nord-Ostseekanal bei Borgstedt, nahe Rendsburg. Der Liegeplatz liegt ruhig, nordwestlich der Rader Insel. Eider Marin, die Stätte unseres Winterlagers, bietet einige kleine Bootsstege, an denen Claus sich mit seiner „La Mer“ und ich mich mit meiner „Nike“ auf die für 12:00 Uhr geplante Abfahrt vorbereiten.

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Die „Nike“ ist eine Bandholm 24 von 1972 mit der Baunummer 59, einer Länge von 7,35 m, einer Breite von 2,30 m und einem Tiefgang von 1,20 m. Das Kampfgewicht beträgt 2,2 Tonnen. Wenn ich an Bord gehe, ist sie nochmal um einiges schwerer.

Ich freue mich schon auf den Einsatz der neu eingebauten Rollreffanlage, nachdem ich die letzten 2 Monate der vergangenen Saison die Unbillen der verschiedenen Vorsegel mit Stagreitern kennenlernen durfte.

Hatte mir das Boot Ende Juli 2015 gekauft und als blutiger Anfänger gleich einige kleinere Touren gesegelt. Eckernförde, Schlei, Marstal, Faborg, Mommark, aber das ist eine andere Geschichte.

Nun hatte ich im Winter den Funkschein gemacht und mir auch gleich ein Funkgerät gekauft, das ich nun noch schnell einbaute und Claus mir noch eben kurz vor der Abfahrt anschloss.

Bei sonnigem Wetter, 2 Beaufort (Bft) Wind und milden Temperaturen motorten wir um 12:00 Uhr mit 4-5 Knoten gen Osten. Da ich meinen alten, unzuverlässigen Außenborder, einen Johnson 2-Takter, gegen einen Mercury 4-Takter getauscht hatte, war ich gespannt, wie das Handling sein würde. Fazit: Motor läuft wie eine Nähmaschine, absolut zuverlässig und verbraucht viel weniger Sprit. Anders das Funkgerät, Einschalten ok, Kanal 16 sofort gefunden, kam direkt nach Kanal 15, Handtaste betätigt, kompletter Stromausfall auf den damit verbundenen Leitungen (Kompass, Tiefen- und Geschwindigkeitsanzeige). Da wir die Leinen schon losgemacht hatten, war keine Zeit mehr für Fehlersuche.

Trotzdem eine entspannte Fahrt, immer hinter Claus her, so brauche ich nicht auf mein Navigations-Tablet zu achten, auf dem ich wegen Sonnenspiegelung sowieso nichts erkennen kann.

Insgesamt eine gute Gelegenheit, die Rollreffanlage einige Male zu testen. Klappt gut, kann ich mich dran gewöhnen.

Uns passieren einige Ozeanriesen, und wir kommen um 15:45 Uhr an der Schleuse Kiel Holtenau an.

 

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Nach langer Zeit endlich wieder ein Anlegemanöver. Rums! Ok, das kenne ich aus der letzten Saison. Auf dem glitschigen Ponton mache ich mein Boot fest und höre schon die Warnung, ich solle vorsichtig sein, eben sei  ein Vorsegler schon in den Kanal gefallen. Nein, nicht Claus, aber dem Unglücksraben ist außer nasser Kleidung und dem bleibenden Erlebnis nichts weiter passiert. Die Schleusung ist diesmal kostenfrei, da die Aufgänge gesperrt sind. Nach 15 Minuten Wartezeit geht’s auch schon weiter Richtung Zielhafen Wendtorf, dem Sommerliegeplatz für 2016. Da immer noch Flaute ist, lasse ich trotz voller Besegelung den Motor an, was – wie ich später erfahre- bei Claus Erstaunen über mein zügiges Vorankommen auslöst, da er ohne Motorkraft natürlich nur so rumdümpelt. Viertakter sind eben nicht nur zuverlässig, sondern auch noch leise. Ich habe ihn aber später aufgeklärt, dass ich nicht über Winter zum Supersegler mutiert bin.

Abfahrt Schleuse war um 16:30 Uhr, und um 17:30 Uhr machten wir einen Zwischenstopp in Laboe. Rums! Alte Geschichte. Ich weiß nicht, ob ein Boot mit Stahlrumpf für mich nicht besser geeignet wäre.

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Das Essen in einem netten Hafenrestaurant war gut, und um 18:30 Uhr legten wir zur letzten Etappe nach Wendtorf ab. Bei idyllischer Abendstimmung erreichten wir, immer noch mit Motorkraft, um 19:30 Uhr Wendtorf.

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Liegeplatz gefunden, war natürlich – wie sich am nächsten Tag herausstellte – der falsche, Boot vertäut und Ende.

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Fortsetzung folgt.